chorbühne TRITONUS
 
Programme  der chorbühne TRITONUS
 
 
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Berührungen (1993)

Ein Abend mit Liedern früherer Programme ergänzt durch internationale Volkslieder und Gedichte von H. Jahn- Reinke, Schu Ting, Uwe Greßmann, R. M. Rilke, A. Tarkowski, E. Södergran, A. Césaire u.a.
 

 

Grafik: Felix Heinrichs
 
Die unvollkommene Haut (1992)

Die zwei prägenden Dichter dieses Programms sind Freiherr Joseph von Eichendorff und Karoline von Günderode. Zwei Dichter aus der Generation um 1800, deren Grunderfahrungen das Scheitern der französischen Revolution in Deutschland und die Wandlung Bonapartes in einen Eroberer sind. Die neuen bürgerlichen Verhältnisse etablieren keine kräftig neuen ökonomischen Zustände, dafür aber eine durchdringende, auf Niederhaltung alles Unbeugsamen, Originalen gegründete Kleinbürgermoral.


Eine kleine Gruppe von Intellektuellen, mit einem ungültigem Ideal ausgerüstet, einer unbändigen Lust, das neu entwickelte eigene künstlerische Instrumentarium einzusetzen, kämpft gegen Borniertheit, Untertanengeist,gegen eine Masse die nach dem Motto "Bereichert Euch!" lebt. Sie brechen aus den vorgeschriebenen Bahnen aus, leben durch sich selber. Ursprünglichkeit, Natürlichkeit, Wahrhaftigkeit und Intimität gehören zu ihrem Glücksanspruch, alles was Hierarchie verlangt, lehnen sie ab.
 

 
   
Diesen Kampf, diese Art zu leben und zu empfinden gibt dieses Programm wieder. Es verbindet Texte und Gedichte der damaligen Zeit mit Liedern, die heute entstanden sind..

 
Der andere Teil der Lieder stammt aus der Feder von Fanny Hensel, der Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Immer im Schatten ihres Bruders stehend, versuchte sie sich 1845 aus diesem hervorzustehlen und gab, unter anderem, eine Sammlung Chorlieder heraus. Da ist keine Unverbindlichkeit, immer ist sie in ihren Liedern ganz mit drin, so daß es nicht verwunderlich ist, daß sie häufig zu Texten von Joseph von Eichendorff griff, da sich in seinen "irren Liedern", die "wie ein Rufen nur aus Träumen" sind, viel von dem wieder, was Fanny Hensel beschäftigt, erfahren und durchlebt hat.
 
   

Grafik: Anne Klump
   
Meinwärts (1990)

Konzipiert kurz vor der Wende, uraufgeführt kurz vor dem „Beitritt“, gespielt bis zur Zeit der völligen Auflösung aller Strukturen und Sicherheiten zeigte sich „Meinwärts“ als ein Programm, welches dieselben Lieder und Texte zu so verschiedenen Zeiten aufführte und „seltsamerweise“ damit immer den Nerv traf.
 
 
Dramaturgie und Musik: Sylke Zimpel

Worte: W. Hilbig, G. Kunert,
I. Bachmann, U. Kolbe,
B. Achmadulina, N. Sachs,
M. Braet u.a.

Regie: Rita Schaller

 
   
     
Splitter:

manchmal erstarren die lachenden lippen euch plötzlich – Wohin, o wohin, du Weltall der Sehnsucht – noch immer sage ich dieselben worte – keiner aber hob den hals in die höh und schrie – Ich will in das Grenzenlose – komm gehen wir, jetzt is es soweit – Es geht eine dunkle Wolk herein
 
 
Keiner hat's so süß wie wir (1988)


Aus heutiger Sicht ein richtiges Endzeitprogramm, welches versuchte, die allgemeine Erstarrung und Resignation der letzten zwei, drei Jahre DDR zu formulieren und zu beschreiben, ohne die Suche nach dem Fünkchen Hoffnung auf Veränderung, welches unter der lähmenden Stille lag, aufzugeben.
 
   
     


Dramaturgie und Musik: Sylke Zimpel
Worte: D. Kerschek, E. Jandl,
H. Teschke, Fr. Hodjak, L. Koch, H. Brinkmann, U. Kolbe, R. Kirsch, G. Adloff, K. Mickel, K.P. Schwarz, R. Zychlinski u.a.
Regie: Rita Schaller

 
 
Splitter:

Wir haben sonntags Angst – welche bewandtnis hat es mit mir – er schrie ja nicht – ei-ei-ei-ei-ei-ei-ne veränderung – Damit wir später reden können, schweigen wir –

Ich hülle mich in Schweigen – Daß Fingerspitzen sich berühren – Bruder, nimm die mit dem weit offnen Kleid
   

aktualisiert: 23. 10. 08